Standard des Barsois (Russkaja
Psowaja Borsaja)
Offizielle Fassung der UdSSR
vom 30.04.1980
Die Windhunde stellen
eine der ältesten Hunde-Gruppen dar.
In Ausgrabungen alter
Siedlungen, die zeitlich einigen Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung datieren,
hat man Darstellungen von Jagden mit Windhunden gefunden.
Als Heimat der Windhunde gilt Nordafrika und der Osten. Von da aus haben sie
sich in die asiatischen und europäischen Länder verbreitet.
Die ersten Beschreibungen des russischen Windhundes gehen ins 17. Jh. Zurück.
Sie geben eine Vorstellung von Hunden, die dem heutigen Windhund ähnlich sind
und die bei der Jagd auf Wild eingesetzt wurden.
Zu Beginn des 18. Jh. ist ihnen Blut von Hunden, die aus Westeuropa nach
Russland gebracht worden waren, beigemischt worden: und seit den frühen 20er
Jahren des 19. Jh. Auch von östlichen Windhunden : Bergwindhunden und
Krimwindhunden.
Als Resultat bildete sich eine Veilzahl verschiedenartiger
Typen von Hunden dieser Rasse, und erst nach dem Jahr 1888, als eine erste
Beschreibung (Standard) gemacht wurde, begann die Entstehung des heutigen
Barsois.
Das Hauptverbreitungsgebiet sind der Waldsteppen- und
Steppen- Gürtel des europäischen Teils der RSFSR und die Steppengebiete
Sibiriens.
Der Barsoi besitzt folgende Jagdqualitäten: Scharfsichtigkeit, große
Schnelligkeit, besonders auf kurze Distanz, Schärfe gegenüber dem Wild, Kraft
und ein heftiger „Brossok“ (heißt „Angriffssprung“, bedeutet in diesem
Kontext aber ein paar solcher blitzartiger Sprünge nacheinander-JT) im
Augenblick, da das Wild gefangen wird.
Gesamterscheinung,
Konstitutionstyp und Verhalten
Der Barsoi ist ein großgewachsener, eleganter Hund von schmalem Körperbau
und trockenem kräftigem Konstitutionstyp. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden
75 bis 86 cm und bei Hündinnen 68 bis 78 cm. Die Widerristhöhe ist bei Rüden
gleich der Kreuzbeinhöhe oder übertrifft diese etwas. Bei den Hündinnen ist
sie gleich. Der Index für das Format beträgt bei den Rüden etwa 102, bei Hündinnen
etwa 105.
Das Temperament ist ruhig, aber der Hund gerät bei Sicht des Wildes schnell in
Erregung. Die typische Gangart bis zum Aufscheuchen des Wildes ist ein nicht
schneller Trab und beim Verfolgen eine äußerste schnelle Karriere in großen,
weit ausholenden Sprüngen.
Mängel: sehr leichter oder sehr kräftiger Konstitutionstyp, zu langer
Rumpf, zu hoch auf den Beinen, untersetzt, Größe bis 2 cm über oder unter der
festgelegten Widerristhöhe.
Fehler: nicht trocken, grob gebaut, aggressiv gegenüber Menschen,
Widerristhöhe um mehr als 2 cm unter der festegelegten.
Farbe:
Weiß;
polowaja (das Gelb von Roggenspreu – JT) versiedener Schattierungen (rot-gelb,
grau-gelb, gelb mit silbernem Anflug);
burmaten (gelb (polowaja) mit dunklem Anflug;
murug (rot mit schwarzer Granne, oft bei dunkler Farbe des Fangs);
grau (von aschgrau bis gelblich-grau);
tschubary (gelb, rot oder grau mit dunklen Streifen);
rot;
schwarz sowie Übergänge zwischen diesen Farben. Bei dunklen Farben ist eine
„schwarze Maske“ charakteristisch, ein schwarzer Fang. Alle diese Farben können
sowohl durchgehend sein, wie auch als Scheckung vorkommen.
Brandzeichnung ist zugelassen.
Mängel: grelle Sprenkel auf dem Körper, nicht im Ton der Hauptfarbe.
Das Haarkleid (Fell) ist
leicht, gewellt oder in großen locken, wobei auch kleinere Locken zugelassen
sind. Auf dem Kopf, an den Ohren und den Seitenflächen der Läufe ist es sehr
kurz und dicht anliegend, Auf dem Rücken und am Hals ist es länger und oft
gewellt. An den Oberschenkeln und Flanken ist es kürzer und kann gelockt sein.
Längeres Schmickhaar ist auf dem Hals (Muff), die Unterseite von Brust und
Bauch, die Hinteseite der Vorderlälufe und der Oberschenkel verteilt. An der
Unterseite der Rute (Schwanz) sind Hängefransen und am Schwanzansatz gewöhnlich
Locken. Unterwolle ist keine ausgeprägt.
Mängel oder Fehler: (je nach dem Grad der Ausgeprägtheit): gerades,
flaumiges, mattes, zottiges Fell; grobes, raues Haarkleid; schwach entwickelte
Befederung und schwaz entwickelte Hängefransen sowie spärliches Schmuckhaar.
Haut, Muskulatur und Skelett
Die Haut ist fein, elastisch und ohne Falten. Die Muskulatur ist lang und
stark entwickelt. Das Knochengerüst ist kräftig, aber nicht massiv.
Mängel: schwacher Knochenbau und schwache Muskulatur.
Fehler: grober Knochenbau
Kopf:
Lang, schmal, trocken. Der Übergang von der Stirne zum Fang ist kaum
bemerkbar. Die Länge des Fangs ist gleich der Länge des Hirnschädels oder übertrifft
sie um 0,5-1cm. Im Profil ist die obere Kontur des Kopfes leicht nach oben gewölbt.
Der Hirnschädelteil ist schmal, oval, flach. Das Scheitelbein ist gerade. Der
Fang, der stufenlos vom Hirnschädel ausgeht, ist lang voll, aber trocken:
gerade beim Übergang zur Nasenkuppe leicht gewölbt. Lippen sind fein und
liegen dem Kiefer eng an. Die Jochbogen sind nicht ausgeprägt.
Mängel: Nicht fließender oder harter Übergang von der Stirne zum Fang.
Keilförmiger Kopf im Profil infolge übermäßiger Höhe des Hirnschädels.
Grober Kopf, breite Stirn, stark hervortretende Backenknochen, nicht trockener
Kopf, zu schmaler oder zu kurzer Fang, helle Nasenkuppe bei heller Haarfarbe. Übermäßig
entwickelte Jochbogen.
Fehler: rosafarbene Nasenkuppe bei dunkler Haarfarbe.
Ohren:
Klein, fein, sehr beweglich, spitz, hoch angesetzt, mit kurzem Haar bedeckt,
nicht breit auseinadergestellt, längs des Halses zurückgezogen, wobei die
Spitzen, die nahe nebeneinander liegen oder nach unten gerichtet sind, eng an
den Hals angedrückt sind. Ist der Hund erregt, werden die Ohren auf den
Knorpeln aufgerichtet, die Ohrspitzen aber sind seitwärts oder nach vorn
gekippt. Manchmal werden ein oder beide Ohren gerade aufgestellt wie ein
„Pferdeohr“.
Mängel oder Fehler (je nach dem Grad der Ausgeprägtheit): tief
angesetzt, schwach oder nicht richtig zurückgezogen, weit auseinadergestellt,
groß, dick, mit abgerundeten Enden.
Augen:
Groß, mit ovalem Schnitt der Augenlider, dunkel-kastanienbraun oder
kastanienbraun, die Augenlider mit dunklen Rändern.
Mängel oder Fehler: kleines Auge, runder Schnitt der Lider, tief
sitzendes Auge, helles Auge, helle Augenlieder, überentwickeltes drittes
Augenlid.
Fehler: graues oder gelbes Auge.
Zähne:
Weiß, groß, nah gestellt. Scherengebiß
Mängel und Fehler, wie sie bei Jagdhundrassen allgemein vorkommen.
Hals:
Lang, leicht nach oben gebogen, trocken, muskulös, seitlich oval
abgeflacht, im Winkel von 45-50° zur Längsachse des Körpers. Die Länge des
Halses ist gleich der allgemeinen Länge des Kopfes oder übertrifft diese
etwas.
Mängel: nicht trockener, kurzer Hals.
Fehler: runder Hals.
Brust:
Nicht breit, schmaler als das Kreuz, im Querschnitt schmal und oval, aber
gut nach vorn und nach unten entwickelt. Im Bereich der Schulterblätter flacher
mit allmählicher Erweiterung gegen die unteren Rippen zu. Die Brust reicht bis
zum Ellbogengelenk herab. Die unteren Rippen sind gut entwickelt, gewölbter.
Die hinteren Rippen sind merklich verkürzt, was einen markanten Übergang zum
Bauch ergibt (einen Aufschwung).
Mängel oder Fehler: (je nach dem Grad der Ausgeprägtheit): zu schmal,
eingefallen, o-förmig, beträchtlich über dem Ellbogen.
Rücken:
Breit, muskulös, mit nicht hervorragendem Widerrist, bildet gemeinsam mit
der Lende einen mässigen Bogen, wobei bei den Rüden dieser Bogen, der
„Gipfel“, erheblich steiler it als bei den Hündinen die „Wölbung“.
Mängel: spitz, schmal, Unterbrechung der Rückenlinie hinter den
Widerrist, zu bucklig, ein gerader Rücken beim Rüden.
Fehler: Senkrücken
Lende:
Kräftig, muskulös, konvex gewölbt.
Mängel: schmal, gerade, übermässig lang, kurz.
Kruppe:
Lang, breit, muskulös, etwas abfallend die Breite zwischen den Hüftgelenken
beträgt mindestens 8cm.
Mängel oder Fehler: (je nach dem Grad der Ausgeprägtheit): schmal,
kurz, abschüssig
Bauch:
Stark aufgezogen, mit einem markanten „Aufschwund“ nach der Brust.
Mängel: schwach aufgezogen oder übermäßig hohle und eingefallene
Leistengegend.
Vorderläufe:
Trocken, starkknochig, muskulös. Von vorn gesehen sind sie gerade und
parallel gestellt, die Ellbogen nach rückwärts oder leicht nach außen
gerichtet. Der Winkel des Schultergelenks beträgt etwa 110°. Der Unterarm ist
lang, trocken, schmal von vorn und breit von der Seite gesehen, mit stark
entwickeltem Ellbogen. Die Länge der Beine von den Ellbogen abwärts ist gleich
der halben Widerristhöhe. Der Vordermittelfuß ist leicht schräg gestellt.
Mängel oder Fehler (je nach dem Grad der Ausgeprägtheit): Unterarme
verkrümmt, krasse Steilschultrigkeit, eingebogene oder weit geöffnete
Ellbogen, kurzer, weicher oder senkrecht stehender Mittelfuß, bodenweite oder
bodenenge Stellung.
Fehler: Vorbiegigkeit.
Hinterläufe:
Trocken, starkknochig, muskulös. Von hinten gesehen sind sie gerade und
parallel und breiter gestellt als die Vordergliedmaßen. Im ruhigen Stand sind
sie etwas zurückgezogen. Die Gelenkwinkel sind gut ausgeprägt. Das
Sprunggelenk ist gut in die Breite entwickelt. Der Hintermittelfuß ist kurz und
senkrecht gestellt. Die Oberschenkel sind stark entwickelt, mit hervortretenden
Muskelgruppen.
Mängel oder Fehler (je nach dem Grad der Ausgeprägtheit) :
Sprunggelenke einander angenähert oder nach außen gedreht (kuhhessige oder o-förmige
Stellung); Säbelbeinigkeit oder „durchgebogener“ Mittelfuß ergibt eine
steile Hinterhand. Afterkrallen schließen den Hund von der Rasse aus.
Pfoten:
Trocken, schmal, Hasenpfoten oder ovale, leicht gewölbt, mit fest
geschlossenen Zehen. Die Zehennägel berühren den Boden.
Mängel: Fleischige, runde, flache Pfote, gespreizte Zehen.
Rute:
Säbel- oder sichelförmig, fein mit dichten „Hängefransen“, lang.
Unter der Leiste durchgezogen soll sie bis zum nächstliegenden Hüftknochen
reichen. Im ruhigen Zustand des Hundes istsie herabgelassen, in der Bewegung
aber nicht über die Rückenlinie erhoben.
Mängel oder Fehler: (je nach dem Grad der Ausgeprägtheit): kurz, grob,
ganz oder die Spitze ringförmig gebogen, hoch getragen, seitwärts abgebogen,
schwach entwickelte Hängefransen.
Fehler: spiralförnug gedreht.
Ende des offiziellen Standards
Aus dem Russischen von Johanna Tschanz – Januar 1983
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